Erfolgsgeschichten
Michelle – Eine Odyssee mit Happy End
Als Michelle mit ihren gerade einmal 20 Jahren bei uns aufschlug, war sie das, was wir einen „AMS-Irrtum“ nennen. Laut Konzept-Vorgaben hätte sie uns nämlich nicht zugewiesen werden dürfen. Doch wir haben wohl damals schon geahnt: Michelle war ein Spezialfall – und zwar im besten Sinne! Also haben wir gemeinsam mit dem AMS einen Weg gefunden, sie aufzunehmen. So wurde sie die jüngste Frau bei frauenanderskompetent. Ehrlich gesagt wusste sie selbst kaum, wie ihr geschah. Sie wirkte, als wäre sie direkt aus dem Tiefschlaf gerissen und in unser Büro teleportiert worden.
Anfangs war Michelle eine Mischung aus müdem und rebellischem Teenager: „Motivation? Was ist das und kann man das essen?“ Am liebsten hätte sie sich in unsere Sofakissen vergraben. Auch ihre dann wieder durchaus aufmüpfige Art brachte uns hin und wieder an den Rand der Verzweiflung. Doch sie gab nicht auf und wir auch nicht. Mit unendlicher Geduld, unermüdlichem Zuspruch, literweise Aufmunterung, vielen guten Gesprächen und Coachingterminen gelang es uns, Michelle aufzuwecken. Und dann, als hätte jemand einen Schalter in ihrem Kopf umgelegt, ging ihr ein Licht auf!
Plötzlich erkannte sie, dass eine Lehre doch keine schlechte Idee wäre – ja, dass sie sogar unerlässlich für ihre Zukunft ist. Und aus der einstmals müden Raupe wurde nach und nach ein Schmetterling, der voller Motivation in die Lehrstellensuche flatterte. Es war, als hätte sie den Turbo gezündet. Zu Beginn des Jobcoachings konnte sich Michelle nur eine Lehre in der IT-Branche vorstellen. Sie träumte von Computern und Codes, doch die Konkurrenz war groß, und die Lehrstellen knapp. Michelle musste erkennen, dass sie sich hier nur schwer durchsetzen würde. Das führte sie zu dem Entschluss, eine Bürolehre zu machen.
Sie bewarb sich auf zahlreiche offene Lehrstellen, wurde zu unzähligen Eignungstests und Vorstellungsgesprächen eingeladen und erhielt – trotz intensivem Lernen – Absagen über Absagen. Der Grund? Aufgrund ihres Abschlusses der 3-jährigen HLW hätte sie direkt in den Beruf einsteigen können, ohne eine zusätzliche Lehre zu absolvieren. Ironischerweise erhielt sie auch auf reguläre Bürojobs eine Absage nach der anderen. Der Grund: Fehlende Praxis. Ein klassisches Dilemma für junge Schulabgängerinnen und Schulabgänger. Doch sie nahm es erstaunlich gelassen – getreu dem Motto: „Weiter geht’s!“
Und so landete Michelle schließlich in einem Praktikum als Betriebslogistikkauffrau. Und siehe da: Das Herumwuseln zwischen Regalen, das Organisieren von Waren und das Jonglieren mit Lieferscheinen gefiel ihr! So gut, dass sie sich auf einmal nichts anderes mehr vorstellen konnte. Sie entdeckte ihre wahre Berufung zwischen Gabelstaplern und Lagerhallen.
Kurz darauf kam auch tatsächlich die Zusage der Firma Bremsen-Eder für eine Lehre zur Betriebslogistikkauffrau! Das Beste daran? Durch die Absolvierung der 3-jährigen HLW wurde Michelle ein Jahr angerechnet, sodass sie die Ausbildung in nur zwei Jahren abschließen kann. Michelle war außer sich vor Freude – und wir ebenso! Wer hätte gedacht, dass Michelle eines Tages die Lagerhallen im Griff haben würde und die Welt der Logistik erobert?
So endet die Odyssee der jungen, motivationslosen und rebellischen Frau in einem „Happy End“ das uns allen zeigt: Manchmal ist der Umweg der direkteste Weg zum Glück.