Kompetenzen

Jahresbericht 2025

Vorwort

Kompetenzen

Vorstandspräsidentin Andrea Brandner

Andrea Brandner
Vorstandspräsidentin

Ein Jahr voller Engagement, Entwicklung und gemeinsamer Erfolge liegt hinter uns. Mit diesem Jahresbericht blicken wir nicht nur auf die Ereignisse und Fortschritte zurück, sondern stellen das zentrale Thema unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt: Kompetenzen.

Bei anderskompetent fördern wir Kompetenzen in vielfältiger Weise – individuell, praxisnah und lebensnah. Wir begleiten Jugendliche mit Lernschwierigkeiten auf ihrem Weg. Wir qualifizieren und unterstützen Menschen dabei neue berufliche Perspektiven zu entwickeln. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Mehrfach-behinderungen ermöglichen wir ein selbstbestimmtes Leben in ihrer eigenen Wohnung bzw. in Wohngemeinschaften – mit der nötigen Betreuung, aber auch mit viel Raum für Eigenständigkeit.

Unsere Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass jeder Mensch über Potenziale verfügt, die es zu entdecken, fördern und entfalten gilt. Kompetenzen entstehen nicht nur durch Ausbildung, sondern auch durch Vertrauen, durch das Erleben von Selbstständigkeit und dem gebraucht werden. Wir verstehen Qualifizierung als ganzheitlichen Prozess, der sowohl berufliche als auch persönliche Entwicklung umfasst.

Der Jahresbericht zeigt, wie vielfältig und wirkungsvoll diese Prozesse in unserem Haus gestaltet werden. Er dokumentiert Entwicklungen und Geschichten, die Mut machen und wie wichtig individuelle Förderung und gesellschaftliche Teilhabe sind. Dabei ist uns bewusst, dass diese Erfolge nur durch das Zusammenspiel vieler engagierter Menschen möglich sind.

Mein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden, die mit Fachlichkeit und Herzblut täglich dazu beitragen, dass Kompetenzen wachsen können. Ebenso an unsere Fördergebenden und Unterstützenden, die unsere Arbeit ermöglichen und mittragen.

Das kommende Jahr wird uns finanziell vor große Herausforderungen stellen – doch mit Kompetenz, Zusammenhalt und dem Glauben an die Stärken jedes Einzelnen werden wir es meistern.

Vorwort

anders + kompetent

Geschäftsführer Mag. Wolfang Kat

Wolfgang Katsch
Geschäftsführer

Gemeinsam mit unseren jungen Auszubildenden arbeite ich heute in der Küche des Bistros am Campus von oberrainanderskompetent mit. Mohnkipferl sollen es werden. Diese servieren wir später unseren Bistro-Gästen als Nachspeise und liefern sie an Menschen in der Umgebung von Unken und Lofer aus. Während wir den Teig rollen unterhalte ich mich mit Kevin. Er erzählt mir von seinen ersten Wochen in der Ausbildung, den neuen Wohnungskolleginnen und -kollegen und seinen Jobwünschen. Unsere Kipferl nehmen inzwischen vielfältigen Formen und Größen an. Ich bin positiv überrascht, als Kevin mutig anspricht, was ich bei meinen Kunstwerken falsch mache. Hilfsbereit zeigt er mir, wie es besser läuft.

Dabei erlebe ich praxisnah unser Jahresthema: Ist Kompetenz mehr als Wissen und Können?

Ja! Kompetenz ist die Fähigkeit, das eigene Potenzial zu entfalten, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und einander zu helfen. Wir bei anderskompetent verstehen Kompetenz als etwas zutiefst Menschliches: Sie wächst durch Erfahrung, durch Begegnung und durch Vertrauen. Wir begleiten Menschen mit besonderen Bedürfnissen auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben. Dabei steht nicht die Einschränkung im Vordergrund, sondern die Vielfalt an Fähigkeiten, die jeder Mensch mitbringt.

Als gemeinnütziges Unternehmen schaffen wir Rahmenbedingungen, in denen Kompetenz sichtbar und wirksam werden kann – sei es durch Ausbildung, Arbeit oder Wohnen. Kompetenz bedeutet für uns auch, Verantwortung zu übernehmen: für sich selbst, für andere und für die Gemeinschaft.

In einer Welt, die sich ständig verändert, bleibt eines doch konstant: Der Wert von Kompetenz als Grundlage für Teilhabe, Würde und Zukunftsperspektiven.

Ich danke allen, die diesen Weg mit uns gehen. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam daran arbeiten, Kompetenz sichtbar zu machen und einzusetzen – anders, aber kompetent.

Herzlichst,

Wolfgang Katsch

Zwei Mitarbeitende arbeiten gemeinsam in einer Küche mit Nudelholz und Kochutensilien

Kevin (re.) rollte gemeinsam mit Wolfgang Katsch (li.) Mohnkipferl für das Dessert.

oberrainanderskompetent

Kompetent und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist, junge Menschen so zu fördern, dass sie selbstbestimmt und kompetent an der Gesellschaft teilhaben können. Dafür setzten wir auch 2025 wieder viele Schritte, um unsere Auszubildenden bestmöglich auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes, verantwortungsvolles Leben zu begleiten.

Neue Wohngruppe im Herzen von Unken

Im Oktober 2025 übersiedelten acht junge Auszubildende in die neue Wohngruppe im Ortskern von Unken. Zusätzlich zur Wohngemeinschaft steht uns im selben Haus eine Garçonnière für eine weitere Person zur Verfügung.
Der Umzug in die Wohngemeinschaft bzw. in die Garçonnière markiert für die Jugendlichen den nächsten Meilenstein auf ihrem Weg. Hier leben sie eigenverantwortlicher und selbstständiger als in den WGs am Campus und trainieren so ihre lebenspraktischen Kompetenzen.
Besonders schön finden wir die gelebte Inklusion, die sich im Miteinander mit den anderen Mieterinnen und Mietern im Haus zeigt.

Gruppe junger Erwachsener sitzt gemeinsam mit Betreuungsperson in einem hellen Wohnraum auf einem Sofa

In den modernen Räumlichkeiten ist viel Platz für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Mit Weiterbildung Kompetenzen erweitern

Unser Team bildet sich laufend weiter, um den wachsenden und sich wandelnden Anforderungen in der Begleitung junger Menschen professionell zu begegnen. 2025 fanden zahlreiche Inhouse-Schulungen und externe Fortbildungen statt, unter anderem zu folgenden Themen:

  • Umgang mit jungen Menschen mit Diabetes
  • Autismus-Spektrum: Wissen und pädagogische Strategien
  • Das Konzept der „Neuen Autorität“ nach Haim Omer
  • Begleitung bei Angst- und Panikstörungen im Ausbildungsalltag
  • Diversität und Vielfalt
  • Künstliche Intelligenz und Teilhabe
  • Sozialpsychiatrie

Lernen, ausprobieren und wachsen

Auch für die Auszubildenden organisierten wir wieder ein vielfältiges Workshop- und Kursangebot, um ihre persönlichen, sozialen und beruflichen Fähigkeiten zu stärken:

  • Burschenworkshops zur Gewaltprävention
  • Mädchenworkshops zum Thema „Frau sein“
  • Selbstverteidigungskurse
  • Praktisches Handwerkstraining in der Bauakademie Salzburg
  • Schweiß- und Motorsägenkurse
  • Produktschulungen im Einzelhandel
  • und vieles mehr
Teilnehmende sitzen an einem Tisch bei einer Einzelhandelsschulung in einem Seminarraum

WIA: Gemeinsamer Lerntag der Einzelhandels-Auszubildenden im Mai 2025.

Mitarbeiterin bereitet ein Getränk an der Kasse in einer professionellen Gastronomieküche zu

Sina ist eine der ersten neuen Auszubildenden im Rahmen der Kooperation. Sie macht ihre Ausbildung im Café Aigensinn in Salzburg.

„Arbeitsfähigkeit bis 25“ – neue Kooperation mit dem AMS

Die neue Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice ist ein wichtiger Schritt für mehr Beschäftigung und Inklusion junger Menschen mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Die Ausbildungsform ist an die Anlehre angelehnt. Unser Team fördert und begleitet die Auszubildenden individuell auf ihrem Weg zu mehr Teilhabe und Integration in der Arbeitswelt.

Die neue Möglichkeit wird gut angenommen: Im Jahr 2025 haben bereits sieben junge Menschen ihre Ausbildung in diesem Rahmen bei uns begonnen.

rwsanderskompetent

Wachsende Kompetenzen

Seit der räumlichen Vergrößerung 2024 ist unser Team um 15 Menschen mit Lernschwierigkeiten angewachsen. Das bedeutet, dass sich für diese 15 Personen neue Perspektiven und Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen. Gleichzeitig ist das Team jetzt altersgemischter und vielfältiger. Das führte fast zwangsläufig zu einer neuen Gruppendynamik und damit auch zu herausfordernden Situationen im Miteinander. Uns ist wichtig, dass die Zusammenarbeit weiterhin gut funktioniert, deshalb haben wir in Kleingruppen gemeinsam Regeln und ein verbindliches Werteverständnis erarbeitet.  

Ein blauer Rahmen mit den Regeln für eine gute Zusammenarbeit

Oben: Gemeinsame Regeln sind die Basis einer guten Zusammenarbeit.

Unten: Für alle verständlich: Unsere Werte in leichter Sprache.

Plakat mit den Werten von anderskompetent: Teamarbeit, Qualität, Respekt, Pünktlichkeit, Sorgfalt und gepflegtes Auftreten

Damit die Inhalte nicht rein theoretisch bleiben, verankern wir sie laufend durch praktisches Tun und moderierte Reflexion im Alltag. Das stärkt die zentrale Handlungskompetenzen unserer Mitarbeitenden nachhaltig. 

Willkommensbildschirm bei SonnenMoor mit Begrüßung der Besucher:innen von rws anderskompetent

Besuche bei Sonnenmoor (oben) und im ORF-Studio (unten).

Gruppe von Menschen in einem Fernsehstudio, gesehen über einen Kameramonitor während einer Studioaufnahme

Kompetenzen fördern

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit: Wir fördern und vertiefen soziale, arbeitsmarktrelevante, gesundheitliche und digitale Kompetenzen unserer Mitarbeitenden:

Soziale Kompetenzen

Durch Gruppenarbeiten, Rollenspiele und kollegiale Beratung haben wir folgende Fähigkeiten trainiert: Im Team arbeiten, offen miteinander sprechen, Konflikte lösen und einander mit Respekt begegnen.

Berufsorientierung

Bewerbungstrainings, Unterstützung beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen und gemeinsame berufliche Zukunftsbilder entwickeln: Ziel ist, die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu verstehen und sich selbstständig am Arbeitsmarkt zu orientieren.

Politische und gesellschaftliche Teilhabe

Durch Exkursionen, etwa in den Salzburger Landtag, fördern wir das Bewusstsein unserer Mitarbeitenden, dass Partizipation möglich ist.

Gesundheitskompetenz

Wir bieten laufende Angebote zu Ernährung, Schlaf, mentaler Gesundheit, Bewegung sowie zu gesundheitsfördernden Alltagsstrategien.

Digitale Kompetenzen

Workshops stärkten das Bewusstsein für den Datenschutz, wie man online sicher einkauft und fördern die grundlegende digitale Handlungsfähigkeit.

Verschiedene Bildungsformate halten unser Angebot lebendig und abwechslungsreich. Wir besuchen Firmen und Museen, führen Sicherheitsworkshops durch, bieten Koch- und Bewegungsangebote und organisieren demokratische Beteiligungsformate wie die Wahl des Werkstättenrats.

Alltagskompetenzen aktivieren und erhalten

Die Mitarbeitenden an unserem Standort in der Traunstraße sind in Invaliditätspension. Um ihre Alltagskompetenzen zu aktivieren und zu erhalten, können sie an vielfältigen Angeboten teilnehmen: 

Infografik zu Alltagskompetenzen bei anderskompetent: Unterstützung für selbstbestimmtes Leben, Wohnen und Arbeiten

Lesegruppe mit Erwachsenen im Stuhlkreis in einem hellen Gemeinschaftsraum bei anderskompetent

Lesegruppe am Standort Traunstraße

Vorlesen – eine unspektakuläre Aktivität mit großem Wert

Schon seit 15 Jahren gibt es eine Lesegruppe für unsere Mitarbeitenden am Standort Traunstraße. Die Leseeinheit dauern zwischen 30 und 45 Minuten und zeigen immer wieder, wie viel Kraft im Vorlesen steckt: Wie bei Kindern wirkt sich Vorlesen auch bei Erwachsenen positiv auf viele Ebenen aus. So genial wie einfach, denn dazu braucht es nicht viel: Nur etwas Zeit, Ruhe, ein Buch und eine vorlesende Person. 

Vorlesen:

  • entspannt, weil das Lesetempo individuell gesteuert wird.  
  • fördert den Wortschatz.  
  • regt Fantasie und Vorstellungsvermögen an.  
  • stärkt Empathie, indem wir uns in die Gefühle der Figuren hineinversetzen.  
  • schafft Gemeinschaftserlebnisse.  
  • vermittelt es Wissen. 
  • unterstützt Konzentration, logisches Denken und Erinnerungsfähigkeit.  
  • macht Lust auf Bücher und  
  • ermöglicht Menschen, die nicht lesen können, Zugang zu Literatur. 

Geschichten wirken – ein Beispiel aus unserer Praxis: 

X. hat nie lesen gelernt. Sie lehnt das Angebot an der Lesegruppe teilzunehmen meist auch ab. Wenn sie doch teilnimmt, ist sie leicht ablenkbar und oft impulsiv. Anders verhält es sich, sobald ein Buch über Katzen vorgelesen wird: Sie bleibt im Raum, aufmerksam und ruhig. Ein schönes Beispiel dafür, wie Geschichten Menschen erreichen können.

Kürzlich lasen wir ein Buch, das uns besonders begeistert hat – humorvoll, berührend und aus der Sicht eines Katers erzählt: Frankie. Tierische Erzähler eignen sich erfahrungsgemäß besonders gut, um viele Zuhörende zu erreichen und mitzunehmen.

Eine kleine Textprobe gefällig?

„Ich mag es, über den großen Weg zu latschen, wenn der Asphalt schön warm is‘ … Nichtstun is‘ auch Tun. Nur eben ganz wenig.“

Auf einem Buch ist eine gezeichnete Katze abgebildet

„Frankie“ von Jochen Gutsch und Maxim Leo (Penguin Verlag) erzählt von einem Mann, der sterben will, und einem Kater, der ein Zuhause sucht – eine warmherzige, humorvolle Geschichte über Freundschaft und Lebensmut. 

frauenanderskompetent

KompeTUN – wenn Können ins Tun kommt

Kompetenz – was ist das eigentlich?

Für uns ist Kompetenz Können, das ins Tun kommt. Und genau dafür schaffen wir die Rahmenbedingungen: Räume, in denen Frauen nicht mit ihren Defiziten konfrontiert werden, sondern ihre Kompetenzen (wieder)entdecken, erweitern und selbstbewusst zeigen.

Kompetenz statt Defizitblick – Stärken sehen und nutzen.

Kompetenz ist nie nur etwas, das man „hat“ – sie zeigt sich und entfaltet Wirkung oft im richtigen Umfeld. Wenn Mitarbeiterinnen sich in einem sicheren Rahmen ausprobieren können, wenn Fehler als Lernspur gelten und wenn klare Regeln Orientierung geben, dann wird oft Erstaunliches möglich. Bei uns heißt das ganz praktisch:

  • gelebte Fehlerkultur, die Druck nimmt und Mut macht,
  • das Abgleichen von Selbst- und Fremdbild, damit Stärken realistisch gesehen und benannt werden können,
  • Flexibilität als trainierbare Fähigkeit – gefördert durch kleine Experimente, neue Rollen und wechselnde Aufgabenfelder
  • und eine wertschätzende Sprache, die Kompetenzen sichtbar macht, statt Defizite in den Vordergrund zu rücken.

So entstehen eigene Strategien, mehr Stabilität und Lust auf neue Aufgaben.

Kompetenz hat viele Gesichter – wir machen sie sichtbar.

All das entsteht aber nicht im Seminarraum, sondern im Tun – in echten Abläufen, echten Teams, mit echten Kundinnen und Kunden. Und zwar in unseren sechs Betrieben: der Werkstatt Produktion & Fertigung, dem Schmaus & Browse, dem Bauchladen, der  Postlerin, dem FunkelNagel Upcycling und im DigitalisierungsCenter. Das sind unsere Kompetenz-Übungs- und Erfolgsspielfelder. Oder der Boden, auf dem Fehler sicher landen dürfen – und auf dem Wachstum möglich wird. Dahinter stehen Jobcoaching und Bewerbungstraining, Sozialarbeit und die Fachbetreuerinnen und Fachbetreuer in unseren Betrieben. So gesehen sind wir sowas wie Kompetenzgärtnerinnen bzw. Kompetenzgärtner.

Wortwolke mit Begriffen zu Arbeit, Wohnen, Inklusion und sozialer Integration bei anderskompetent

Kompetenzen sind vielfältig.

Zwei Geschichten aus 2025 – Frauen, die kompetent ihren Weg gehen

„Reißverschluss? Auf gar keinen Fall!“

„Nähen? Kann ich nicht“, sagt Frau C. bestimmt am ersten Tag. Reißverschluss? Unmöglich. Mit Übung, klaren Mini-Schritten und ehrlicher Bestärkung wird aus ihrem „Kann ich nicht“ ein „Na gut, ich probier’s“ – und bald darauf ein: „Ich hab da eine Idee, wie wir das Produkt noch verbessern könnten.“ Heute ist sie an der Nähmaschine kaum zu bremsen. Kompetenzgewinn? Ja! Sichtbar, hörbar, spürbar!

Fehlerkultur in Aktion

Frau L. arbeitet anfangs eng begleitet durch die Fachbetreuerin auf unserer Post – sie prüft jeden Zwischenschritt, stellt viele Fragen, will es ganz genau machen. Beim ersten Alleingang geht dann doch etwas schief. Alle halten die Luft an. Dann: kein Rüffel, sondern konkretes Feedback und eine zweite Runde. Frau L. probiert, justiert; die Fehler werden weniger. Aus Muster wird Methode: Bald entwickelt sie eine klare Vorgehensweise, sortiert in machbare Schritte und setzt Prioritäten. Am Ende steht Kompetenz: Probleme strukturieren, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen. Genau das zählt – auch bei der Suche nach dem neuen, passenden Arbeitsplatz. Wenn Selbstvertrauen und Erfahrung im Tun zusammenkommen, öffnen sich plötzlich auch neue Berufsfelder, die vorher gar nicht „am Schirm“ waren. Und genau das entspricht unserem Auftrag. Denn unsere Hauptaufgabe ist und bleibt, Kompetenzen sichtbar zu machen, zu erweitern und mit passenden Betrieben zusammenzubringen. Manchmal braucht es länger. Manchmal geht es schnell. Beides ist richtig, solange man in Bewegung bleibt.

wohnenanderskompetent

Kompetenz leben

Seit über zehn Jahren fördern und stärken wir nun bereits die Kompetenzen unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Wir schaffen gemeinsam Räume, in denen unsere Bewohnenden wachsen, Hindernisse überwinden und gemeinsam neue Horizonte entdecken. Dabei zeigt sich Kompetenz nicht nur in fachlichen Fähigkeiten, sondern vor allem im alltäglichen Miteinander: im Mut, etwas Neues zu wagen, im offenen Gespräch und in der Fähigkeit, individuelle Lösungen zu finden und sich gegenseitig zu unterstützen.

Reisen und Erleben

Echtes Kompetenzerleben entsteht vor allem durch Erlebnisse im Alltag, bei Ausflügen und gemeinsamen Aktivitäten, wie zum Beispiel im Urlaub. Wer schon einmal mit Freunden oder Bekannten geurlaubt hat, weiß: Ohne soziale Kompetenzen wird es schwierig. Die Reisenden müssen sich aufeinander einlassen, aufeinander Rücksicht nehmen, sich abstimmen, Lösungen finden und auch mal Kompromisse schließen. Unsere Urlaubsfahrten bieten daher jedes Jahr ein ganz besonderes Lernfeld für unsere Bewohnerinnen und Bewohner.

Für die Pinzgauer Reisegruppe führte der Weg ins Burgenland – in eine völlig andere Landschaft als die vertraute Bergwelt. Höhenluft schnuppert man hier höchstens am Aussichtsturm. Ausflüge, Freizeitparkbesuche und gemeinsamen Planungen stärkten Selbstständigkeit und Teamgeist der Gruppe. Die Teilnehmenden lernten, im Alltag und unterwegs Herausforderungen eigenverantwortlich zu meistern und ihre sozialen Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Drei Personen sitzen auf Bank am Seeufer

Beim Blick auf den Neusiedlersee die Seele baumeln lassen: Sich entspannen zu können, ist eine wichtige Kompetenz. 

Die Bewohnerinnen und Bewohner aus Salzburg-Stadt urlaubten weiter südlich. In Lignano, Italien, ließen sie ihre Seele baumeln, relaxten am Pool oder am Meer und genossen das italienische „la dolce vita“. Neben Erholung fanden sich auch hier viele Gelegenheiten, um Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Gemeinschaft zu erleben und zu festigen – zum Beispiel beim entspannten Frühstück oder beim Bummeln durch die Straßen. Inspirierende Erfahrungen förderten Offenheit und Eigeninitiative und stärkten die Freude an gemeinsamer Erlebniskultur.

Gruppe junger Menschen beim Abendessen im Restaurant

Unsere „Stadt-Salzburger“ genossen das Essen in Italien.

Mitarbeitende und Bewohner:innen stehen bei einem Teamtag im Grünen zwischen Wohngebäuden

Unser Teamtag im Juni 2025.

Kompetenzen im Dialog

Im Juni fand unser Teamtag statt. An diesem Tag diskutierten unser Teams Erfahrungen, Ideen und Lösungsansätze in Kleingruppen und entwickelten diese weiter. Der offene Austausch brachte frische Impulse und stärkte unsere Teamkultur. Viele der erarbeiteten Ansätze übernahmen wir direkt in den Alltag. Solche Gelegenheiten tragen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Qualität unserer Begleitung bei.

Erfolgsgeschichten aus dem Alltag

Tag für Tag erleben wir in unserer Arbeit, wie Kompetenzen im Alltag wachsen und unsere Bewohnerinnen und Bewohner selbstständiger werden. Besonders eindrucksvoll sind die Geschichten von Ernesto und Mario, die stellvertretend für viele persönliche Entwicklungen stehen.

Bei Ernesto wurde frühkindlicher Autismus diagnostiziert. Seither hat er viele Barrieren überwunden. Mit viel Unterstützung erlernte er Schritt für Schritt neue Fähigkeiten. Seit 2024 lebt er in unserer betreuten Wohngemeinschaft in Salzburg Stadt. Er hat seine Ausbildung zum Reinigungstechniker abgeschlossen. Mittlerweile meistert er auch seinen Arbeitsweg eigenständig. Auf diesen Meilenstein sind er und sein Umfeld besonders stolz.

Mario bezog 2018 seine erste eigene Wohnung in Saalfelden. Mit Unterstützung meistert er Alltag und Haushalt. Seit 2022 arbeitet er als Hausmeister bei INTERSPAR. Sein Entwicklungsweg zeigt, wie Vertrauen und Begleitung zu hoher Eigenverantwortung und Lebensfreude führen können.

Diese zwei Geschichten stehen beispielhaft für unzählige kleine und große Fortschritte unserer Bewohnenden. Sie machen deutlich, dass Kompetenz durch kontinuierliche Begleitung, Mut und individuelle Förderung jeden Menschen auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit unterstützen kann.

Mann mit Arbeitskleidung steht vor Einkaufswägen im Aufzug

Einkaufswägen sammeln ist Teil von Marios Aufgaben als Hausmeister.

Gruppe von Menschen feiert Jubiläum im Freien mit Banner und Ballons

10-jähriges Jubiläum: Gemeinsam mit unseren Bewohnenden feierten wir unseren ersten runden „Geburtstag“. 

Jubiläum

Mit einem Sommer-Grillfest feierten wir zusammen mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern unser 10-jähriges Jubiläum. Es war schön, gemeinsam auf die Erfolge zurückzublicken, bewegende Momente Revue passieren zu lassen und über lustige Geschichten zu lachen.

Der Blick nach vorne gefällt uns aber mindestens genauso gut: Wir leben gemeinsam Kompetenz – herzlich, kreativ, offen und mit dem Glauben an die Potenziale in jeder und jedem Einzelnen. Denn eines ist sicher: Die schönsten Geschichten entstehen dort, wo Menschen zusammenkommen, sich gegenseitig stärken und gemeinsam wachsen.

Highlights 2025

Medienberichte 2025

Herzlichen Dank!

Wir bedanken uns bei unseren Fördergeberinnen und Fördergebern, Sponsorinnen und Sponsoren, Spendenden, Gästen sowie Kundinnen und Kunden für die Unterstützung und Treue!

Mitarbeitende und Teilnehmende von anderskompetent sagen Fördergebern Danke

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